Die Offensive gegen den Libanon und der damit beginnende (?) Krieg ist hier deutlich zu spüren – als wir die beiden Mädchen zur Schule begleiteten, raste ein Kampfjet hoch am Himmel mit einem lauten Dröhnen über unsere Köpfe. Später in den Nachrichten, konnten wir nachlesen, wo dieser Jet Menschen im Libanon bombardierte. Gestern schon waren zwei Helikopter zu sehen gewesen, und die Mädchen haben ihm den Mittelfinger gezeigt. Das Dröhnen war immer wieder den ganzen Tag zu hören, und machte mir ein unglaublich bedrückendes Gefühl. Wir sind hier an einer Gabelung: Je nach dem in welche Richtung die Flugzeuge fliegen, fliegen sie entweder nach Gaza oder in den Libanon. Gaza ist nicht weit, gar nicht weit. Und das ganze bekommt man mit, auf dem Schulweg. Und bei diesem Schulweg muss man begleitet werden, weil der Krieg auch hier ganz schnell Kinder angreift – durch die Siedler. Es ist auch befremdlich wie ’normal‘ diese Realität hier ist, wie die Menschen sich damit abfinden aber dann doch immer wieder in Konfrontation damit gehen. Einer erzählte mir, dass sie das alles schon kennen, ihr ganzes Leben kennen sie die Besatzung in ihren unterschiedlichen Formen – eher für die Israelis ist es erschreckend.
Später eine weitere Situation mit Siedlern auf dem Feld: Siedler kommen mit ihren Tieren, um die Olivenbäume der Palästinenser*innen zu zerstören, die Armee kommt zur selben Zeit (als hätten sie sich abgesprochen) um uns vom Filmen abzuhalten. Das zeigt auch, wie viel ihnen an dem Land liegt, was sie für sich beanspruchen. Ich spüre wie ich noch sehr eingeschüchtert in diesen Situationen agiere.
Abends gehen wir noch spontan zum schlafen bei einer Familie, der sie letzte Woche die Schafe gestohlen haben. Wir schlafen draußen, es ist sehr kalt. Alle halbe Stunde wache ich auf, um festzustellen, dass es immer noch kalt ist. Der Mond steht über uns. und im Hintergrund immer wieder das rauschen der Jets.
– Z, Delegation Sadaaqa

