Tagebucheintrag 12.10.

Gerade bin ich in Farkha, ein Ort von viel Hoffnung. Das Dorf ist ein Projekt des kollektiven und ökologischen Lebens, mit einer starken kommunistischen Bewegung. Farkha versucht sich seiner Verbindung zu seinem Land wieder bewusst zu werden und durch gemeinschaftliche Projekte sich unabhängig von sowohl der palästinensischen Autonomiebehörde, als auch dem israelischen Staat zu machen. Durch viele Komitees werden die Dorfbewohner*innen in die Verwaltung des Dorfes einbezogen – vor allem die Jugend hat eine besondere Stellung darin inne, demokratische Strukturen aufzubauen. Das Dorf hat auch eigene Frauenstrukturen, wie Frauenkooperativen, in denen sie Olivenöl produzieren, Paprika anbauen und vieles mehr.
Das Dorf versucht sich unabhängig von Israel und der PA zu machen, und ist damit sehr erfolgreich. Überall im Dorf gibt es Hausgärten, wo Leute anbauen, was sie brauchen. Der ‚Bürgermeister‘ sagte dazu: Das ist Freiheit.
An einem Abend schauen wir auf den Sonnuntergang. Die Natur hier ist wirklich unglaublich schön. Es macht mich verstehen, dass es in diesen ganzen Kämpfen eigentlich viel darum geht, zu einer natürlichen Lebensweise zu finden. Und dass der palästinensische Widerstand sich viel darum dreht, die Verbindung zum Land wieder aufzubauen. Denn die Natur ist sowieso viel älter, größer und stärker, als alles was diese kapitalistische Ordnung aufbringen könnte, das kleine Tel Aviv in der Ferne. Was ich faszinierend an Farkha finde, ist das vieles was wir schon an anderen Orten in Palästina sahen, hier nur voll entwickelt ist; das Dorf hat dieselben Probleme mit siedlern, und hat dieselben Antworten, es geht sie nur etwas organisierter an. Auf dem Dorfgebiet befanden sich auch unglaublich alte Olivenbäume – an einem sind wir stehen geblieben, der war über 2000 Jahre alt. Und das ist nur dadurch möglich, das Menschen da sind, die diese Bäume pflegen.
Der Blick von Farkha in die Ferne hat auch die Verbindungen klar gemacht – das liberale Leben in Tel Aviv, was die Realität hier vergisst, ist ganz eng verbunden mit den Siedlern, die hier direkt vor der Haustür sind, und den Raketen und Kampfjets, die über unsere Köpfe fliegen. In einem Gespräch mit einem Genossen meint er, wie Israel als koloniales Projekt den Neoliberalismus und dessen Lebensweise in den mittleren Osten gebracht hat. Als ich den Bürgermeister des Dorfes fragte, wie man den Widerstand dagegen und Organisierungen wie Farkha verbreiten könnte, meinte er nur „langsam, langsam“.